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Pilgerbericht Interlaken - Spiez Schiffstation

  • Elsbeth Kirchhofer
  • 27. März
  • 2 Min. Lesezeit

27.03.2026 / gemäss Reiseführer 13km 3h 45min 420m hinauf und 440m runter

Der Schnee vom Vortag war noch immer allgegenwärtig, als ich in Interlaken aufbrach.

Meine bisherigen Pilgertage hatten immer mal wieder meine Füsse schmerzen lassen. Noch auf der Sucha nach Optimierung holte ich mir nach etwa 15 Minuten Rat in einem Sportgeschäft. Er meinte die Schuhe seien sehr gut doch brauchen sie noch etwas mehr Kilometer, dass sie eingelaufen sind, doch eine flachere Sohle habe ich mir gegönnt und nun ab ins heutige Abendteuer…

Es schneite nicht mehr, doch die Landschaft trug noch ihr weisses Kleid. Teilweise zeigte sich die Sonne, zaghaft, fast vorsichtig – als wolle sie erst prüfen, ob der Winter wirklich schon gehen will.

Der Weg führte mich hinaus Richtung Neuhaus, dem See entlang.

Die Schritte waren ruhiger als sonst. Der Schnee machte den Boden weich, stellenweise rutschig, und ich war dankbar um jeden sicheren Tritt.

Weiter ging es hinauf zu den St. Beatus-Höhlen. Der Blick auf den Thunersee war trotz – oder vielleicht gerade wegen – der winterlichen Kulisse besonders eindrücklich. Weiss überzuckerte Hänge, dunkles Wasser, dazwischen Lichtinseln, wenn die Sonne kurz durchbrach.

Über Merligen führte mich der Weg schliesslich zur Schiffstation. Die Entscheidung, die letzte Strecke über den See zu nehmen, fühlte sich stimmig an. Vom Wasser aus wirkt alles noch einmal weiter, offener, fast wie ein Innehalten zwischen zwei Etappen.

Doch am Ende dieses Tages wartete eine kleine Lektion.

Erst nach dem Aussteigen bei Spiez Schiffstation bemerkte ich, dass meine Wanderstöcke nicht mehr in meinen Händen waren. Vergessen. Auf dem Schiff. Hier trennte sich auch der Weg von meinem Mitpilger, welchen ich seit Stans immer mal wieder traf und kurze Abschnitte zusammen pilgerte - vielen Dank.

Ein Moment zwischen Ärger und Unglauben. Nicht nur ein kleines Versehen – sondern eine Veränderung im Plan. Ohne Stöcke weiterzugehen? Möglich. Allerdings anders.

Und so steht fest: Meine Pilgerreise geht morgen ab Thun weiter.

Manchmal entscheidet nicht der grosse Sturm über den Weg – sondern ein scheinbar kleiner Moment der Unachtsamkeit.

Der Camino bleibt unberechenbar. Und genau das macht ihn lebendig.


 
 
 

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