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Pilgerbericht / Zwischen Regen, Gegenwind und Caminokoller

Elsbeth
10. Okt.
4 Min. Lesezeit

29.09.2026


Heute Morgen durfte ich es gemütlich angehen. Um 09:15 Uhr gab es im O Palleiro do Pe do Forno in Orellán Frühstück. Erst danach fiel mir ein, dass ich gestern bei Isabel ganz vergessen hatte, einen Pilgerstempel zu holen. Also schrieb ich ihr später per WhatsApp und bat sie um ein Foto davon. Dann wird der Stempel eben irgendwann ausgedruckt und in meinen Pilgerpass geklebt. 😊



Um 10:00 Uhr kam das Taxi. Wegen meines Reizhustens, des Halskratzens und weil ich noch immer nicht ganz fit bin, wollte ich auch heute den langen ersten Abschnitt auslassen. Eigentlich sollte die Fahrt bis Puente de Domingo Flórez gehen. Mein Taxifahrer setzte mich schliesslich direkt auf dem Camino ab, etwa 700 Meter vor Quereño und noch im Ort Puente de Domingo Flórez.


Um 10:40 Uhr ging es zu Fuss los – mit Regenjacke und Rucksackhülle. Ganze fünf Minuten später kam auch noch der Poncho zum Einsatz. Nieselregen und richtiger Regen wechselten sich während fast der ganzen ersten Hälfte meiner heutigen Strecke ab.



Kurz vor 11:00 Uhr erreichte ich Quereño. Beim Camino ging ich zunächst links weiter, weil ich noch zur Iglesia de San Cristóbal wollte. Eine Frau, die gerade Wasser holte, rief mir hinterher und machte mich darauf aufmerksam, dass der Camino in die andere Richtung führt. Ich erklärte ihr, dass ich bewusst zur Kirche wollte. 😊



Ich mag solche kleinen Begegnungen. Die Menschen entlang des Weges achten auf uns Pilger und schauen, dass wir nicht irgendwo falsch abbiegen.


Nach dem Abstecher zur Kirche ging es zurück auf den Camino und weiter Richtung Pumares. Schon unterwegs begrüsste mich ein liebevoll gestaltetes Schild mit Pilgerfigur und den Worten „PUMARES – Buen Camino!“.



Noch bevor ich den kleinen Platz erreichte, bekam ich bei einem Haus einen Pilgerstempel. In Pumares fotografierte ich die Plaza de la Estrella, die kleine Kapelle und den Brunnen.



Weiter ging es entlang des Río Sil Richtung Sobradelo. Unterwegs begegneten mir wieder diese kleinen Dinge, für die ich ständig stehen bleibe: die Tafel zur „Cascada Milagrosa“, später der Miradoiro de Carballeda de Valdeorras mit einem wunderschönen Blick über den Río Sil, das Tal und die Bahnlinie. Natürlich musste dort auch ein Selfie sein. 😊




Kurz darauf entdeckte ich beim Wasserlauf noch die Tafel „O Rego do Lombeiro“.



Und irgendwann hatte Petrus dann offenbar genug vom Regen. Die Wolken machten der Sonne Platz und plötzlich wurde es richtig warm – teilweise sogar heiss. Dazu kam zeitweise ein so starker Wind, dass ich später noch ganz persönlich Bekanntschaft mit seinen Auswirkungen machen sollte. 😅


In Sobradelo holte ich mir den nächsten Pilgerstempel und ging hinunter zum Río Sil. Die historische A Pontenova mit ihren sieben Bögen wollte ich nicht nur vom Weg aus fotografieren. Also ging ich direkt ans Ufer und bekam von dort einen wunderschönen Blick auf die ganze Brücke.



Danach hiess es wieder: hoch!


Und zwar ziemlich steil.


Vom Aussichtspunkt oberhalb von Sobradelo hatte ich dafür nochmals einen wunderbaren Blick zurück auf den Ort, den Río Sil und A Pontenova. Auch der alte Olivenbaum dort bekam natürlich seinen Platz in meiner Fotosammlung.



Dann folgte jener Teil des Tages, bei dem meine Begeisterung für den Camino vorübergehend irgendwo am Strassenrand liegen blieb.


Gefühlt lief ich ewig der Strasse entlang. Die Sonne brannte, der Wind blies teilweise stürmisch und meine Motivation war inzwischen ziemlich im Keller.



Seit gefühlt fünf Kilometern mochte ich eigentlich überhaupt nicht mehr laufen.


Und dann diese Mücken und Fliegen!


Schon gestern gingen sie mir auf den Zeiger. Heute schwirrten mir die Viecher gefühlt permanent direkt vor dem Gesicht herum. Irgendwann reicht es einfach. 😅


So schleppte ich mich weiter bis Éntoma. Dort fotografierte ich die alte Brücke und die Kirche und holte mir in einer Bar noch einen Pilgerstempel.



Und dann hatte der Camino ausgerechnet heute noch einen kleinen Spruch für mich parat:


„Mellórase o Camiño ao camiñar.“



Sinngemäss: Der Weg wird besser, indem man ihn geht.


Meine spontane Reaktion?


„Das isch nit min fucking Weg!?“ 😂


Es gibt offenbar Tage, an denen selbst ein motivierender Camino-Spruch bei mir nicht mehr ganz die gewünschte Wirkung erzielt.


Weitergelaufen bin ich trotzdem.



Und weil der Wind offenbar fand, dass mir noch etwas Action fehlte, riss er mir auch noch meine Dächlikappe vom Kopf. Sie landete in einem fremden Garten und ich durfte sie dort wieder einsammeln.


Irgendwann kam O Barco de Valdeorras näher. Den Río Sil, den Malecón und alles, was mir unterwegs noch vor die Linse kam, habe ich natürlich fotografiert. Als ich merkte, dass die Praza Maior bereits hinter mir lag, war die Entscheidung allerdings sehr schnell gefallen:



Nein. Heute gehe ich keinen Meter zurück. 😅


Im Hotel Malecón wartete dann noch eine letzte kleine Herausforderung. Der Check-in funktioniert hier über einen Automaten: Pass einlesen und anschliessend wird die Zimmerkarte ausgedruckt.


Theoretisch zumindest.


Praktisch musste ich die Hotelnummer anrufen, weil ich Hilfe brauchte. Immerhin war ich damit nicht allein – die drei Gäste vor mir hatten ebenfalls ihre liebe Mühe mit dem Automaten.


Schliesslich hielt ich meine Zimmerkarte in der Hand und bezog mein Doppelzimmer.



Was für ein Tag.


Nieselregen, Regen, Sonne, Hitze und stürmischer Wind. Dazu schöne Ausblicke auf den Río Sil, mehrere neue Pilgerstempel, kleine Begegnungen am Weg, eine weggeflogene Dächlikappe, nervige Mücken und Fliegen – und einen ziemlich ausgewachsenen Caminokoller.


Nicht jeder Tag auf dem Camino fühlt sich leicht oder besonders an. Manchmal hat man schlicht keine Lust mehr.


Heute war so ein Tag.


Und trotzdem bin ich in O Barco de Valdeorras angekommen.


Schritt für Schritt. Auch dann, wenn gerade wirklich keiner davon Spass macht. 🥾🤍



 
 
 

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