Pilgerbericht / Rote Berge, Höhlen und ein Tag voller Überraschungen
28.09.2026
Der Wecker klingelte heute um 06:15 Uhr. Wirklich aus den Federn kam ich allerdings erst kurz nach 07:00 Uhr. Reizhusten, Halskratzen und erhöhte Temperatur – fit fühlte ich mich definitiv nicht.
Also hiess es heute: vernünftig sein und die Kräfte einteilen.
Nach dem Frühstück in der Albergue Guiana in Ponferrada stand um 08:00 Uhr das Taxi bereit, das die Rezeption bereits am Vorabend für mich organisiert hatte. Damit liess ich den starken Anstieg nach Villavieja aus.
In Villavieja angekommen sah ich allerdings, dass gleich das nächste grosse Stück bergauf auf mich wartete. Und so entschied ich kurzerhand, mit dem Taxi wieder zurück hinauf bis zum Castillo de Cornatel zu fahren.
Oben angekommen dann die kleine Ernüchterung: Die Burg war noch geschlossen.
Also kein Rundgang durch die Burg – dafür begann hier mein heutiger Camino de Invierno zu Fuss. 🥾
Vom Castillo de Cornatel führte mich der Weg über Borrenes weiter Richtung Orellán. Zunächst blieb es trocken und ich konnte in Ruhe unterwegs sein.
Irgendwann stellte ich fest, dass der offizielle Camino Richtung Las Médulas gar nicht direkt zu meiner Unterkunft in Orellán führte. Da mein heutiges Ziel O Palleiro do Pe do Forno war, folgte ich schliesslich der direkteren Route beziehungsweise Google Maps.
Gegen 12:40 Uhr kam ich dort an.
Die Unterkunft war eigentlich noch geschlossen und Isabel war gerade am Kochen und ziemlich beschäftigt. Ich setzte mich auf die Terrasse und ass meine mitgebrachten Sachen. Kurz darauf bekam ich WLAN und durfte sogar schon mein Zimmer beziehen.
Dann nahm sich Isabel Zeit für mich.
Mit einer Karte erklärte sie mir ausführlich eine ungefähr dreistündige Runde durch Las Médulas. Sie zeichnete mir ein, was ich unbedingt sehen sollte und wie ich laufen musste.
Auch der morgige Tag war schnell organisiert: Frühstück um 09:15 Uhr und um 10:00 Uhr holt mich ein Taxi ab und bringt mich nach Puente de Domingo Flórez.
Für heute Abend reservierte ich mir noch das Abendessen um 21:00 Uhr.
Dann konnte das Nachmittagsprogramm beginnen – und zwar ohne grossen Rucksack. Was für ein Unterschied! 😅
Nur mit Isabels Karte machte ich mich auf den Weg.
Und schaffte es prompt, ihre Runde in die falsche Richtung zu starten.
Statt so zu laufen, wie sie es eingezeichnet hatte, begann ich beim Bereich Mirador de La Frisga und arbeitete mich praktisch rückwärts durch ihre Punkte.
Nun gut – dann eben andersherum. Hauptsache, ich sehe alles. 😉
Unterwegs begann es leicht zu tröpfeln. Ich folgte dem Wegweiser „Senda Perimetral – Las Médulas 1 km“ und erreichte gegen 15:40 Uhr das Besucherzentrum von Las Médulas.
Natürlich war gerade Mittagspause bis 16:00 Uhr.
Da Isabel mir ausdrücklich empfohlen hatte, dort das Video über Las Médulas anzuschauen, wartete ich.
Während ich darauf wartete, dass das Besucherzentrum nach der Mittagspause wieder öffnete, nutzte ich die Zeit für eine kleine Runde durch Las Médulas. Ich schaute mir die Kirche San Simón y San Judas Tadeo an und entdeckte gleich noch einen alten Waschplatz – einen dieser Orte von anno dazumal, die vom früheren Alltagsleben erzählen.
Danach ging es zurück zum Besucherzentrum, wo ich mir das empfohlene Video über Las Médulas anschaute und einen Pilgerstempel bekam.
Und danach ging es weiter – Isabels Runde nun konsequent in umgekehrter Reihenfolge.
Auf der Senda de las Valiñas tauchte ich immer tiefer in diese aussergewöhnliche Landschaft ein.
Diese roten Felsformationen!
Was von weitem schon eindrücklich aussieht, wirkt von unten und aus nächster Nähe noch einmal ganz anders. Riesige rote Wände und bizarre Formen erheben sich zwischen dem Grün.
Am Abzweig nahm ich die kurze Variante „Senda Corta“ Richtung La Cuevona.
La Entcantada war 100 Meter oberhalb von La Cuevona.
Anschliessend zurück beziehungsweise über die zugänglichen Wege weiter durch diese unglaubliche Landschaft.
Später erreichte ich den Mirador de Orellán und die Galerías de Orellán.
Und dort bekam ich Las Médulas noch einmal aus einer völlig anderen Perspektive zu sehen.
Am Nachmittag war ich unten zwischen diesen gewaltigen roten Formationen gestanden – jetzt blickte ich von oben über sie hinweg.
Was für ein Anblick!
Ich hatte die roten Berge von unten gesehen, die zugänglichen Höhlen und Felsformationen erkundet und stand nun oben am Mirador.
Alles gesehen.
Hammer! ❤️
Und dabei hatte der Nachmittag mit einer versehentlich falsch herum begonnenen Runde angefangen.
Manchmal ist die Richtung offenbar gar nicht so entscheidend. 😉
Gegen 18:45 Uhr machte ich mich auf den letzten Rückweg nach Orellán.
Nur wenige Minuten vor meiner Unterkunft entdeckte ich noch ein verkohltes Stück Kastanienholz mit einer Inschrift und dem Datum „Orellán, 19.08.2022“. Es erinnert an die von Waldbränden gezeichnete Natur im Bierzo.
Nach all den kräftigen Farben von Las Médulas war das noch einmal ein stiller Moment am Ende dieses Tages.
Dann waren es nur noch wenige Minuten bis zu meiner Unterkunft.
Heute Morgen hatte ich mich alles andere als fit gefühlt und deshalb bewusst die grossen Anstiege mit dem Taxi überbrückt.
Und trotzdem wurde daraus ein Tag, an dem ich unglaublich viel gesehen und erlebt habe und am Schluss 23 km auf der Uhr habe.
Manchmal bedeutet Pilgern eben auch, den eigenen Weg an das anzupassen, was gerade möglich ist.
Heute hat genau das wunderbar funktioniert. 🥾🤍
Um 21:00 Uhr gab es noch Abendessen im O Palleiro do Pe do Forno.
Danach führt mein Weg für heute nur noch in eine Richtung: ins Bett. 😊
Die Unterkunft war übrigens ein Geheimtipp von Axel – und er hatte nicht zu viel versprochen. Ein sehr schönes Zimmer, eine herrliche Dusche und dazu ein vorzügliches Abendessen. Ein wunderbarer Abschluss eines eindrücklichen Tages.




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