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Pilgerbericht / Frankreich geschafft - und der Weg geht weiter

  • Elsbeth
  • 21. Aug.
  • 5 Min. Lesezeit

21.08.2026

Von Genf bis Saint-Jean-Pied-de-Port – und ein weiterer grosser Abschnitt meines Projekts „Schritt für Schritt beWEgen“ ist geschafft.


Mitte Mai ging es für mich wieder los.

Nachdem ich am 12. April an der Schweizer Grenze bei Genf meine erste grosse Pilgeretappe beendet hatte, fuhr ich am 12. Mai mit dem Zug zurück nach Genf. Einen Tag später stand ich wieder dort, wo ich einen Monat zuvor aufgehört hatte.


Der Weg durch Frankreich konnte beginnen.


Von Genf nach Le Puy-en-Velay


Die ersten Etappen führten mich über die Via Gebennensis durch eine unglaublich abwechslungsreiche Landschaft.

Von der französisch-schweizerischen Grenze ging es über kleine Dörfer, Weiler, Wälder, Wiesen und immer wieder hinauf und hinunter. Ich begegnete Vulkanlandschaften, überquerte zahlreiche Bäche und Flüsse und durfte immer wieder wunderschöne Aussichtspunkte erleben.


Dabei wurde mir schnell bewusst, dass Pilgern nicht einfach nur bedeutet, Kilometer zu sammeln.


Es bedeutet auch planen, improvisieren, telefonieren, Unterkünfte suchen, Wäsche waschen, Lebensmittel organisieren – und manchmal ziemlich spontan Lösungen finden.


Gerade die ersten Tage haben mir gezeigt, dass ich meine ursprüngliche Vorstellung vom völlig spontanen Weiterziehen etwas anpassen musste. Viele Unterkünfte waren ausgebucht und die Tagesetappen liessen sich nicht immer so einteilen, wie ich es mir gewünscht hatte.


Zum Glück bekam ich dabei viel Unterstützung von zuhause.


Mein Partner Christof half mir immer wieder bei der Planung, organisierte Transfers und kümmerte sich um Dinge, die während meiner Wanderung nicht einfach nebenbei erledigt werden konnten.


Begegnungen, die bleiben

Was mich auf dem französischen Jakobsweg besonders beeindruckt hat, waren die Menschen.

Ich wurde immer wieder unglaublich herzlich empfangen.


Gastgeber wuschen meine Wäsche, organisierten Salben für meine Beine, massierten meine Füsse, fuhren mich zu Bahnhöfen oder schenkten mir spontan etwas zu essen.


Und immer wieder erzählte ich von meinem Projekt „Schritt für Schritt beWEgen“.

Mein Flyer fand seinen Platz an Kühlschränken, Pinwänden und Empfangstresen.


Doch noch viel schöner waren die Gespräche dahinter.


Menschen wollten wissen, wer Janik ist, warum ich diesen Weg gehe und was mit den Spenden bewirkt werden soll.


Und dann passierte immer wieder etwas, womit ich nicht gerechnet hatte.


Jemand drückte mir Geld für Janik und mein Projekt in die Hand.


Manchmal waren es Gastgeber. Manchmal andere Pilger. Manchmal Menschen, die ich erst wenige Stunden zuvor kennengelernt hatte.


Diese Gesten haben mich immer wieder sprachlos gemacht.


Die Via Gebennensis endet in Le Puy-en-Velay

Nach vielen Etappen erreichte ich schliesslich Le Puy-en-Velay.


Dort endete die Via Gebennensis und für mich begann ein neuer Abschnitt.


Die Landschaft hatte sich bereits verändert und auch die Stimmung auf dem Weg war eine andere.

Von Le Puy-en-Velay ging es weiter auf die Via Podiensis.


Teilweise legte ich die Strecke zu Fuss zurück, teilweise musste ich aus organisatorischen oder körperlichen Gründen auf Bus und Zug zurückgreifen.


Und das ist etwas, das ich inzwischen gelernt habe:


Auch ein Stück mit dem Bus oder Zug ist kein Scheitern.


Mein Ziel ist nicht, möglichst schnell möglichst viele Kilometer zu sammeln.


Mein Ziel ist, diesen Weg zu schaffen – auf eine Art, die für mich und meinen Körper möglich ist.


Regen, Sonne, Hitze und müde Füsse


Frankreich zeigte mir wettertechnisch fast alles.

Von sommerlichen Temperaturen mit über 30 Grad bis zu 14 Grad, Regen, Gewittern und sogar Graupelschauern war alles dabei.


Meine Füsse und Knie meldeten sich immer wieder.


Auch meine Waden machten mir zeitweise zu schaffen. Doch mit etwas Unterstützung, Pausen, Salbe und vor allem dem nötigen Respekt vor den eigenen Grenzen konnte ich meinen Weg fortsetzen.


Besonders in Erinnerung bleiben mir die zahlreichen Momente am Wasser.

Immer wieder fand ich einen Bach oder Fluss, in dem ich meine Füsse baden konnte.


Eine kleine Wohltat nach vielen Kilometern.


Und dann kam das Baskenland


Je näher ich Saint-Jean-Pied-de-Port kam, desto mehr veränderte sich die Landschaft.


Mit dem Erreichen des Baskenlandes tauchten plötzlich zweisprachige Wegweiser auf – Französisch und Baskisch.


Die letzten Etappen führten mich durch eine wunderschöne Hügellandschaft bis nach Saint-Jean-Pied-de-Port.


Meine letzte Etappe führte über Ostabat-Asme, Larceveau, Gamarthe, Bussunarits und Saint-Jean-le-Vieux.


Am Ende standen nochmals rund 25 Kilometer auf meiner Uhr.


Dann war es geschafft.


Saint-Jean-Pied-de-Port

Ich übernachtete zum Abschluss ganz pilgermässig in einem einfachen Refuge in einem Schlafsaal mit 16 Betten.


Ein Erlebnis zum Abschluss.


Nach vielen unterschiedlichen Unterkünften passte dieses einfache Pilgerzimmer irgendwie perfekt.


Am nächsten Morgen ging es zurück Richtung Schweiz.


Doch auch die Rückreise wurde nochmals zu einem kleinen Abenteuer.


Von Saint-Jean-Pied-de-Port ging es über Bayonne und Paris zurück.


In Paris hatte ich rund zwei Stunden Zeit für den Wechsel vom Gare Montparnasse zum Gare de Lyon.


Ich entschied mich gegen Metro oder Taxi und ging einfach quer durch Paris.

Vorbei am Jardin du Luxembourg, der Fontaine Médicis, dem Panthéon, Saint-Étienne-du-Mont, der Notre-Dame de Paris, entlang der Seine und durch den Jardin des Plantes bis zum Gare de Lyon.


Noch einmal rund acht Kilometer zu Fuss.


Offenbar konnte ich selbst auf der Heimreise das Pilgern nicht ganz lassen. 😊

Um 21 Uhr fuhr mein Zug in Zürich ein.


Und dort wartete Christof auf mich.


Gesund, glücklich und mit unglaublich vielen Eindrücken im Gepäck.


Was bleibt?


Wenn ich heute auf die Frankreich-Etappe zurückblicke, sind es nicht nur die Kilometer, die mir in Erinnerung bleiben.


Es sind die Menschen.


Die Gastgeberinnen und Gastgeber.


Die Mitpilger aus Deutschland, der Schweiz, Frankreich, den Niederlanden, Neuseeland, Amerika und Australien.


Die spontanen Gespräche.


Die unerwarteten Spenden.


Die Menschen, die meinen Flyer aufgehängt oder weitergegeben haben.


Und all jene, die sich für Janik und mein Projekt interessiert haben.


Natürlich gab es auch schwierige Momente.


Manchmal war ich müde.


Manchmal taten die Füsse weh.


Manchmal fehlte die Motivation.


Und manchmal gab es persönliche Nachrichten, die mich emotional völlig aus der Bahn warfen.


Aber auch dann ging es irgendwann weiter.


Schritt für Schritt.


Genau darum geht es bei meinem Projekt.


Nicht darum, dass jeder Schritt einfach ist.


Sondern darum, weiterzugehen.


Und jetzt?


Seit Mitte Juni bin ich wieder zuhause.


Die nächsten Wochen gehören dem Ankommen, Erholen und natürlich auch der Vorbereitung des nächsten grossen Abschnitts.


Denn meine Reise ist noch nicht zu Ende.


Vom 8. September bis 13. Oktober 2026 geht es in Spanien weiter.


Von Saint-Jean-Pied-de-Port werde ich über Santiago de Compostela bis ans Kap Finisterre gehen.


Der Weg wird also noch einmal ein ganz anderer werden.


Neue Landschaften.


Neue Menschen.


Neue Herausforderungen.


Und hoffentlich wieder viele besondere Begegnungen.


Bis dahin bleibt mir Zeit, die vergangenen Wochen nochmals Revue passieren zu lassen – und euch hier auf meinem Blog auch noch den einen oder anderen Rückblick zu zeigen.


Danke an alle, die mich bis hierhin begleitet haben.


Danke für jedes Lesen, Teilen, Weitererzählen und natürlich für jede Spende.


Denn am Ende zählt nicht die Höhe eines Betrages.


Jede einzelne Geste trägt dazu bei, dass aus vielen kleinen Schritten etwas Grosses entstehen kann.


Schritt für Schritt beWEgen. 👣🤍

 
 
 

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