Pilgerbericht / 1. Tag auf dem Camino Primitivo
20.09.2026
Nach einer kurzen Nacht ging es heute Morgen um 07:00 Uhr aus dem Bett. Zum Frühstück gab es eine heisse Schokolade aus dem Automaten für 1,50 € und zwei Madeleine.
Vor dem Start wurde der Rucksack nochmals neu geordnet: Hut, Nastücher und Lippenpomade waren noch darin verstaut und auch die Schuhe hatten nicht den richtigen Platz. Alles wurde nochmals angepasst, bevor es losging.
Beim Verlassen der Unterkunft gab es gleich eine amüsante Beobachtung: Jugendliche kamen nach einer langen Nacht vom Ausgang zurück. Einige waren nur noch in Socken unterwegs und trugen ihre hohen Schuhe in der Hand. Nicht nur ich hatte also eine kurze Nacht – während andere feierten, kämpfte ich noch mit der Technik, um den Blog vom Vortag endlich online zu bringen. So konnten die treuen Leserinnen und Leser wieder ein Stück der Reise mitverfolgen, während andere erst nach Hause kamen.
Um 08:15 Uhr startete der Weg durch Oviedo. Plötzlich schienen überall Pilger aufzutauchen – wie Pilze aus dem Boden. Ich war froh, die Stadt bald hinter mir zu lassen. Ausserhalb verteilten sich die Pilger wieder.
Kurz nach dem Start fragte ein holländischer Pilger nach einem Camino-Zeichen. Der Pfeil an der Laterne war mir aufgefallen, ihm jedoch nicht – so konnte ich ihm weiterhelfen.
Schon bald führte der Weg zur Basilica de San Juan el Real. Da um 09:00 Uhr Messe war, stand die Kirche offen. Die besondere Atmosphäre in der Basilika war ein wunderschöner Moment.
Auch die Begegnungen davor und danach blieben in Erinnerung: Eine Passantin wünschte „Buen Camino“ und auch ein Bettler sprach diese Worte zu mir.
Der Nebel hing noch in den Strassen von Oviedo. Bei etwa 14–16 °C war es angenehm kühl. Nach etwas Suchen waren endlich wieder eindeutige Wegweiser zu sehen. Nach einer Toilettenpause zeigte sich die Sonne – und sofort wurde es spürbar wärmer.
Unterwegs entdeckte ich eine Bronzestatue von Samuel Sánchez, einem spanischen Radrennfahrer und Olympiasieger.
Nach etwa 5 km wurde San Lazaro passiert. Danach wurde der Nebel nochmals dichter. Der Weg bot viele kleine Begegnungen: Katzen, Kühe, fallende Äpfel und sogar Eichhörnchen begleiteten den Weg. Natürlich wurden auch viele Fotos von der schönen Landschaft gemacht.
Bei km 7 führte der Weg an der Capilla del Carmen vorbei.
Nach rund 8 km wartete ein besonderer Fund: der traditionelle Waschplatz „La Pipera – Lavadero tradicional de La Piñera“. Diese alten Waschstellen erinnern daran, wie früher die Menschen hier ihre Wäsche wuschen und Wasser nutzten. Ein Hinweis machte darauf aufmerksam, dass das Wasser nicht trinkbar ist.
Kurz danach habe ich die verschlossene Kirche Santa María de Lloriana fotografiert. Der Nebel begann langsam der Sonne zu weichen.
Weiter ging es durch La Bolguina und Fabarín. Bei der Brücke „Ponte de Gallegos“ habe ich eine Hinweistafel entdeckt: Die Brücke wurde bereits im 13. Jahrhundert erwähnt und 1934 zerstört. Besonders schön war hier der Duft von wilder Pfefferminze, der die ganze Umgebung erfüllte. Ein kleiner Moment, der den Weg noch besonderer machte.
Durch die Sonne wurde es deutlich wärmer, deshalb habe ich die Jacke ausgezogen und Sonnencreme aufgetragen.
Bei km 9,5 wurde Gallegos erreicht. Auch hier gab es wieder einen traditionellen Waschplatz. Diese kleinen Zeugnisse der asturischen Dorfkultur direkt am Camino erzählen von vergangenen Zeiten.
Nach dem Ortseingang Gallegos ging es zunächst ein Stück an der Strasse entlang, bevor rechts ein Waldweg abzweigte. Dieser war viel angenehmer zu laufen, allerdings auch feucht und teilweise rutschig.
1.5 km vor Escamplero, noch auf dem Waldweg, habe ich eine Mittagspause eingelegt.
Die Kirche von Escamplero sowie die Capilla de Famos wurden fotografiert und die Stempel gesammelt.
Nach über 17 km auf der Uhr und noch einigen Kilometern bis Grado wurde die Frage immer grösser, ob die restliche Strecke heute noch gut zu schaffen wäre.
Ich fotografierte noch die Kirche in Premono, auch dort gab es ein Pilgerstempel.
Dann kam eine unerwartete Begegnung: Ein spanischer Autofahrer hupte und winkte beim Vorbeifahren. Kurze Zeit später fuhr er wieder an mir vorbei und hielt an. Obwohl keine gemeinsame Sprache vorhanden war, verstand er das Ziel und nahm mich direkt bis zur Unterkunft in Grado mit. Als besondere Geste trug er sogar den schweren Rucksack und die Stöcke bis zur Treppe der Herberge.
Eine Begegnung voller Hilfsbereitschaft – genau das, was den Camino so besonders macht. ❤️
Da der Wunsch nach einem unteren Bett beim Hochbett nicht erfüllt werden konnte, gönnte ich mir für 22 € Aufpreis ein Einzelzimmer.
Die Dusche war heute eine wahre Wohltat.
Danach wurde noch etwas gedöst. Um 19:30 Uhr gab es Abendessen.
Heute geht es früher ins Bett, als gestern – die Nacht zuvor war einfach zu kurz.




Kommentare