Pilgerbericht / Weiter als geplant – mein erster Pilgertag in Spanien
09.09.2026
Heute war es endlich so weit.
Nach zwei Reisetagen begann mein erster richtiger Pilgertag in Spanien. 🥾
Von meiner Unterkunft, der Casa Ibarrola in Pamplona, startete ich gegen 09.15 Uhr. Eigentlich war der Plan überschaubar: bis Zariquiegui laufen und von dort mit dem Taxi nach Puente la Reina fahren.
Eigentlich. 😉
Denn ich hatte mir schon am Morgen vorgenommen, unterwegs auf meinen Körper zu hören und spontan zu entscheiden, ob vielleicht doch noch etwas mehr drinliegt.
Noch in Pamplona führte mich mein Weg nochmals an der Iglesia de San Saturnino, auch San Cernin genannt, vorbei. Diesmal war sie offen und ich ging hinein.
Besonders beeindruckt hat mich die prächtig ausgestattete Kapelle der Virgen del Camino – der „Jungfrau des Weges“. Ein ziemlich passender Ort für den Beginn meines ersten Pilgertages in Spanien.
Danach führte mich der Camino an der Ciudadela von Pamplona vorbei.
Die grosse sternförmige Renaissance-Festung wurde ab 1571 erbaut. Und damit hatte ich ganz nebenbei auch noch den Punkt gesehen, den ich gestern Abend aus Zeitgründen nicht mehr geschafft hatte.
Kurz nach dem Start musste ich ausserdem noch eine Apotheke aufsuchen. Dort wurde mir vorerst geholfen, sodass ich meinen Pilgertag fortsetzen konnte.
Und dann hiess es endgültig: raus aus Pamplona und hinein in meinen ersten spanischen Pilgertag.
Mein Tempo lag heute ungefähr bei drei Kilometern pro Stunde, do wie üblich. Erst gegen 11.30 Uhr erreichte ich Cizur Menor.
Dort brauchte ich dringend eine Toilette und landete im „La Parri“ direkt am Camino.
Das erwies sich gleich in mehrfacher Hinsicht als guter Zwischenstopp: Ich bekam einen schönen Stempel in meinen Pilgerausweis – „La Parri – Espacio gastronómico“, handschriftlich datiert auf den 9.9.26.
Und weil mein Frühstück heute Morgen eher bescheiden ausgefallen war und es inzwischen fast Mittag war, gab es einen grossen Toast mit Jamón.
Gestärkt ging es weiter.
Langsam veränderte sich die Landschaft. Pamplona lag hinter mir und vor mir öffnete sich immer mehr die Weite.
Die gelben Pfeile und Jakobsmuscheln zeigten zuverlässig die Richtung.
Irgendwann zeigte ein Wegweiser:
Alto del Perdón – noch 4,3 km.
Puente la Reina – noch 14,6 km.
Meine Uhr zeigte um 13.33 Uhr allerdings bereits 13,85 Kilometer an. Darin waren auch meine zusätzlichen Wege durch Pamplona enthalten, während die Camino-App zu diesem Zeitpunkt noch 1,2 Kilometer bis Zariquiegui anzeigte.
Gegen 14 Uhr erreichte ich schliesslich Zariquiegui.
Hier hätte mein heutiger Fussweg ursprünglich enden sollen.
Und hier hätte ich problemlos sagen können: Das war's für heute.
Und irgendwie fühlte es sich noch nicht nach Ende an.
Der Wind war inzwischen kräftig geworden. Trotzdem entschied ich nicht nach Kilometerzahl oder ursprünglichem Plan, sondern nach meinem Körpergefühl.
Und das sagte: Weiter.
Also machte ich mich an den Aufstieg zum Alto del Perdón.
Je höher ich kam, desto weiter wurde der Blick – und desto deutlicher war auch der Wind zu spüren.
Und dann standen sie plötzlich vor mir.
Die berühmten eisernen Pilgerfiguren des Alto del Perdón.
„Donde se cruza el camino del viento con el de las estrellas.“
Dort, wo sich der Weg des Windes mit dem Weg der Sterne kreuzt.
Heute passte dieser Satz besonders gut.
Der Wind war da. Und zwar reichlich. 😄
Und ich war auch da.
An meinem ersten Pilgertag in Spanien stand ich tatsächlich auf dem Alto del Perdón.
Ich machte ungefähr zehn Minuten Pause, schaute hinaus in die Landschaft und genoss diesen Moment.
Dann begann der Abstieg Richtung Uterga.
Der Weg wurde steinig, und spätestens jetzt war ich froh um meine Stöcke.
Gegen 16 Uhr zeigte meine Camino-App nur noch ungefähr 360 Meter bis Uterga.
Und diesmal sagte mein Körpergefühl etwas anderes:
Für heute reicht es.
Die restlichen Kilometer bis Puente la Reina musste ich niemandem mehr beweisen.
Also organisierte ich ein Taxi.
Zuerst schrieb ich Taxi Ismael aus Puente la Reina an. Er war ungefähr 45 Minuten entfernt, leitete mich allerdings an Mari Carmen Taxi weiter. Sie konnte mich bereits etwa 15 Minuten später bei der Gastrobar Camino del Perdón in Uterga abholen.
Mein Ziel war die Albergue Jakue in Puente la Reina.
Und dort wartete noch eine Überraschung auf mich.
Mein Zimmer im Glampingbereich.
Was für ein Zimmer! 😄
Und der allgemeine Teil, wo auch meine Toilette ist.
Nach diesem ersten Pilgertag fühlte sich das beinahe wie Luxus an.
Nach einem Bad ging ich um 18.00 Uhr zum Abendessen.
Am Ende zeigte meine Uhr heute über 21 Kilometer.
Das sind nicht die reinen Camino-Kilometer, denn darin stecken auch meine zusätzlichen Wege durch Pamplona. Deshalb brauche ich heute gar keine exakte Zahl.
Viel wichtiger ist etwas anderes:
Ich wollte ursprünglich nur bis Zariquiegui gehen.
Dann ging ich weiter zum Alto del Perdón.
Und danach noch hinunter bis Uterga.
Nicht, weil ich es musste.
Sondern weil es sich heute richtig angefühlt hat.
Und genau so möchte ich diesen Weg gehen.
Nicht möglichst weit.
Nicht möglichst schnell.
Sondern Schritt für Schritt – und immer wieder neu entscheiden, was an diesem Tag möglich ist.
Mein erster Pilgertag in Spanien ist geschafft.
Und was für einer. 🥾🤍
Schritt für Schritt beWEGen.




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