Pilgerbericht / Wind, Wellen und mein Camino am Meer
18.09.2026
Der Wecker war für 07:00 Uhr gestellt. Tatsächlich wurde ich aber erst 10 Minuten vor 08:00 Uhr wach. Also hiess es sofort: hopp, hopp, hopp – schnell bereit machen und los.
Die Unterkunft war sehr einfach. Frühstück gab es keines, deshalb ass ich meine letzte Banane. Zwei kleine eingepackte Küchlein/Gebäckstücke von der Unterkunft nahm ich für später mit. Wasser aufgefüllt und kurz nach 08:30 Uhr verliess ich die Herberge.
Die erste Stunde kam ich sehr gut in meinen Rhythmus. Mit ungefähr 4 km/h war ich sogar schneller unterwegs als sonst. Anfangs führte der Weg mehrheitlich der Strasse entlang, später ging es auf Fuss- und Velowegen weiter.
Besonders schön waren die vielen Begegnungen unterwegs: Velofahrer und Fussgänger grüssten mit „Buen Camino“ und auch andere Pilger waren aufmerksam. Eine Mitpilgerin machte mich darauf aufmerksam, dass ich vermutlich falsch unterwegs war. Die Wegweiser waren teilweise wirklich verwirrend.
Nach einer kurzen Pause nach rund 5 Kilometer, beim Anziehen des Rucksacks, passierte noch ein kleines Missgeschick: Plötzlich flog eine Salbe von oben über meinen Kopf. Vermutlich war ein Fach nicht richtig geschlossen. Also nochmals Rucksack ausziehen, kontrollieren und weiter.
Das Wetter zeigte sich am Morgen bedeckt, etwas neblig und die Strassen waren noch nass. Später kamen die ersten Sonnenstrahlen durch und ich konnte die Jacke ausziehen.
Bei ungefähr Kilometer 7 zeigten die Buen Camino App und die Wegweiser wieder einmal nicht dieselbe Richtung. Ich entschied mich für die Wegweiser vor Ort und hoffte, dass diese Entscheidung richtig war. Etwa 700 Meter später wurde der Nieselregen stärker. Der Regenponcho musste her. Später stellte ich fest: Ich hatte ihn falsch herum getragen. Zum Glück hat er trotzdem seinen Zweck erfüllt.
Mein Motto für diesen Abschnitt: Viele Wege führen zum Ziel. Später kamen die verschiedenen Wege wieder zusammen.
In La Arena machte ich meine erste längere Pause. In einem Café gab es meine erste Tortilla dieser Reise – dazu eine Cola und den wunderschönen Blick auf den Strand und das Meer.
Nach der Pause ging es kurz hinunter ans Wasser.
Danach führte der Weg parallel zum Strand weiter über einen Holzsteg entlang der Küste. Das Geräusch meiner Stöcke auf dem Holz ist sogar in der Aufnahme zu hören.
Besonders schön war der Wechsel von Ebbe zu Flut. Eine Möwe spielte im Sand und liess sich von den kommenden Wellen immer wieder ins Wasser treiben. Ein kleiner Moment, der mir lange in Erinnerung bleibt.
Der nächste Abschnitt zeigte genau, warum ich mich für den Camino del Norte entschieden habe: wegen der Liebe zum Meer.
Dort wo der Weg an die Küste abzweigt, stand ich plötzlich vor einer Absperrung. Es war eigentlich ein gesperrter Abschnitt. Am Gitter kamen mir allerdings gerade zwei Personen und zwei Radfahrer entgegen. Deshalb entschied ich mich, diesen Weg trotzdem zu gehen. Nach einigen Treppen – meine Anstrengung ist in der Aufnahme wohl deutlich zu hören - wurde ich belohnt.
Als ich wieder das Meer sah, kam nur ein: „Juppii!“ Danach führte ein wunderschöner Weg direkt an den Klippen entlang. Ganz alleine unterwegs, mit meterhohen Wellen, die gegen die Felsen prallten. Ich hätte stundenlang zuschauen können.
Gleichzeitig verstand ich auch, warum dieser Abschnitt gesperrt ist. Schade ist nur, dass keine Bauarbeiten sichtbar waren und dieser wunderschöne Weg dadurch vielen Pilgern verwehrt bleibt.
Vor der Ortschaft Ontón stellte ich fest, dass die Buen Camino App heute ein weiteres Mal einen anderen Weg anzeigte, als ich tatsächlich gegangen bin. Glücklicherweise fand ich einen Wegweiser Richtung Ontón. Genau dort stand auch eine weitere Pilgerin.
Bei der Kirche in Ontón trennten sich unsere Wege. Ich entschied mich für den Bus, sie für den kürzeren Weg entlang der Strasse.
Später stellte ich fest, dass viele Pilger diese Strecke trotz Warnungen wählen. Für mich war dieser Strassenabschnitt sehr gefährlich. Auch die Fahrweise des Busfahrers empfand ich als sehr heftig.
Mit der Linie L3 fuhr ich ungefähr 15 Minuten. Danach wartete ich 25 Minuten auf die Linie L1.
Ich versuchte noch, ein Taxi zu organisieren. Der erste Taxifahrer war bis 18:00 Uhr besetzt und versuchte wegen der Sprachbarriere zwei Kollegen zu erreichen. Leider nahm niemand ab.
Also blieb nur der Bus.
Danach ging es nochmals 1,2 km bergauf zum Camping. Auf der Uhr standen bereits ungefähr 20 km.
Bei der Ankunft war mein erstes Bedürfnis die Toilette. Die Suche gestaltete sich schwierig, da die Türen verschlossen waren. Nach ungefähr 10 Minuten half mir der Herr an der Rezeption weiter. Gesprochen wurde nur Spanisch.
Eine Erkenntnis dieser Reise: Je weiter ins Landesinnere, desto weniger Englisch wird gesprochen.
Der Campingplatz überraschte mich positiv:
Pool, Meerblick und freie Bettwahl. Natürlich wieder ein unteres Bett gewählt – eine Erleichterung.
Die Dusche war etwas gewöhnungsbedürftig und nicht ganz nach meinem Geschmack.
Um 20:00 Uhr gab es Abendessen. Entgegen meiner Erwartung war es richtig fein:
Reis, ein halbes Poulet und Salat.
Ein langer Tag voller Wind, Wellen, kleinen Herausforderungen und ganz besonderen Küstenmomenten geht zu Ende.
Gute Nacht.




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