Pilgerbericht / Wo Umwege zu Begegnungen werden
14.09.2026
Heute Morgen machte ich mich in Erlete Goikoa bereit für meinen nächsten Pilgertag. In der Unterkunft gab es kein Frühstück und auch in meinem Rucksack war nichts Essbares mehr übrig.
Der Besitzer gab mir dafür noch einen wertvollen Tipp. Statt einen Umweg zu machen, empfahl er mir die kürzere und wunderschöne Strecke über Sakoneta nach Deba.
Um 08:30 Uhr ging es los.
Bei traumhaftem Wetter und blauem Himmel führte mich der Weg zunächst hinunter Richtung Sakoneta – und schon bald wusste ich, warum mir diese Strecke empfohlen worden war.
Die Flysch-Küste war beeindruckend. Felsen, Meer und diese ganz besondere Küstenlandschaft begleiteten mich auf dem weiteren Weg über den GR-121, den Talaia ibilbidea, Richtung Deba.
Ein gemütlicher Spaziergang war es allerdings nicht. Es ging immer wieder hinauf und hinunter, teilweise über sehr schmale und verwachsene Pfade. Meine Stöcke waren dabei einmal mehr Gold wert.
Am Aussichtspunkt Mendatagaina wurde ich für die Anstrengung belohnt. Die Aussicht über das Meer, die Küste und den Flysch war fantastisch. Hier musste ich einfach stehen bleiben, fotografieren und diesen Moment geniessen.
Unterwegs entdeckte ich an einem alten Baum noch eine kleine Holztafel mit einem baskischen Spruch:
„…gu sortu ginen enbor beretik sortuko dira besteak…“
Sinngemäss bedeutet er:
„Aus demselben Stamm, aus dem wir entstanden sind, werden auch andere entstehen.“
Ein stiller kleiner Fund am Weg, der mich kurz innehalten liess. 🤍
Danach ging es weiter Richtung Deba.
Und dann wurde es etwas abenteuerlich.
Bei einem Wegweiser oben schien zunächst noch alles klar zu sein. Unten bei einem Gatter bog ich jedoch falsch ab – ohne es zu merken.
Nach etwa 20 Minuten lief ich für etwa 20 Minuten in die falsche Richtung und landete schliesslich über einen schmalen Weg unten am Strand.
Dort sass eine Frau. Ihr Mann war über ein Seil runter zum Strand, habe ich später erfahren.
Ich fragte sie, ob sie Englisch spreche.
Ja, meinte sie – doch wir könnten auch Deutsch sprechen.
Und dann korrigierte sie sich gleich nochmals:
Oder Schweizerdeutsch.
Läck! 😄
Was für eine Erleichterung. Endlich konnte ich ganz unkompliziert erklären, woher ich gekommen war und dass ich offenbar irgendwo falsch abgebogen sein musste.
Wir unterhielten uns eine Weile und sie erklärte mir, dass ich oben beim Gatter den falschen Weg genommen hatte.
Dabei bekam sie auch mit, dass ich seit dem Morgen noch nichts gegessen hatte.
Und dann geschah wieder so ein kleiner Camino-Moment:
Sie gab mir eine Nuss-Frucht-Mischung – aus der Schweiz!
Ausgerechnet hier, irgendwo an einem Strand an der baskischen Küste.
Natürlich erzählte ich ihr auch von meinem Projekt und gab ihr meine Website www.bewegen.blog.
Danach hiess es: denselben Weg wieder zurück.
Und gefühlt zum zwanzigsten Mal an diesem Tag wieder einen Berg hoch. 😅
Oben fand ich zurück auf den richtigen Weg und setzte meinen Weg Richtung Deba fort.
Ich kam an einem Campingplatz vorbei und später auch an der Ermita de Santa Catalina. Immer wieder öffneten sich wunderschöne Blicke aufs Meer.
Schliesslich erreichte ich Deba.
Meine Uhr zeigte inzwischen 11 Kilometer.
Eigentlich hatte ich geplant, in Deba und später auch in Markina-Xemein noch einiges anzuschauen. Nach diesen elf Kilometern auf dem Küstenweg war für mich jedoch klar:
Für heute reicht es mit zusätzlichen Besichtigungen.
Ab Deba nahm ich deshalb den Bus Richtung Ondarroa.
Der Bus fuhr später los als gedacht und unterwegs bekam ich Kopfschmerzen. Getrunken hatte ich zwar reichlich, gegessen jedoch viel zu wenig.
Beim Umsteigen in Ondarroa holte ich mir deshalb am Hafen schnell ein Sandwich, bevor es mit dem nächsten Bus weiter Richtung Markina-Xemein ging.
Dort stieg ich direkt beim Eroski City aus.
Diesmal wollte ich vorsorgen.
Also wurde ordentlich eingekauft: etwas für den Abend, Frühstück für den nächsten Morgen und genügend Proviant für unterwegs.
Ich informierte meine Unterkunft, dass ich in Markina angekommen war und noch einkaufte. Von dort bekam ich die Nummer eines Taxifahrers.
Als ich später auf mein Handy schaute, wartete bereits eine Nachricht auf mich:
Der Taxifahrer sei an der Haltestelle und könne nur kurz warten.
Zu spät gesehen.
Das Taxi war bereits wieder weg.
Also brauchte es Plan B.
Und auch diesmal fand sich eine Lösung: Jemand von der Unterkunft kam kurzerhand selbst nach Markina und holte mich ab.
So erreichte ich schliesslich die Albergue Usandi, wunderschön und ruhig im Grünen gelegen.
Und dort wartete noch eine Überraschung auf mich.
Vor der Unterkunft sass eine junge Frau, die ich bereits aus meiner Unterkunft in San Sebastián kannte.
Was für ein unerwartetes Wiedersehen!
Zwei besondere Begegnungen an einem einzigen Tag – die eine, weil ich falsch abgebogen war, die andere genau dort, wo mein Weg mich am Abend hinführte.
Nach diesem langen und abwechslungsreichen Tag bezog ich mein Zimmer und war einfach froh, angekommen zu sein.
Heute hat mir der Camino wieder einmal gezeigt, dass ein falscher Weg nicht nur ein Umweg sein muss.
Manchmal führt er genau zu einer Begegnung, die man auf dem richtigen Weg nie gehabt hätte. 🥾🤍




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