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Pilgerbericht / 24 Kilometer, Begegnungen und kleine Camino-Momente

Elsbeth
vor 3 Tagen
6 Min. Lesezeit

15.09.2026


Heute Morgen wollte ich eigentlich bereits gegen 07:15 bis 07:30 Uhr los. Allerdings wie so oft auf dem Camino kam es etwas anders.


Zuerst bereitete ich meinen Proviant für unterwegs vor und machte aus meinem Baguette fünf Sandwiches mit Schinken, Salami, Frischkäse, Tomate und Avocado.



Dann brauchte ein 85-jähriger Australier Hilfe beim Herd. Er wollte Eier kochen, allerdings wollte der Herd nicht so wie er. Nach ungefähr fünf Minuten hatten wir das Problem gemeinsam gelöst und wechselten noch ein paar Worte miteinander.


So startete ich schliesslich rund eine halbe Stunde später als geplant.


Bevor ich Bolibar verliess, fotografierte ich noch den Platz, das Rathaus und die Kirche. Das Simón-Bolívar-Museum habe ich dagegen nicht bewusst gesehen oder besucht.



Kaum war ich unterwegs, ging es natürlich wieder bergauf. 😅



Für solche Aufstiege habe ich inzwischen meinen eigenen Rhythmus gefunden: 80 Schritte, kurze Pause, wieder 80 Schritte.



Bei einer dieser kleinen Pausen traf ich eine Belgierin. Wir kamen ins Gespräch, ich zeigte ihr meine Webseite www.bewegen.blog und danach gingen wir gemeinsam weiter Richtung Kloster Ziortza.


Unterwegs erzählten wir uns gegenseitig aus unserem Leben. Solche Begegnungen entstehen auf dem Camino ganz selbstverständlich – man kennt sich gerade erst und läuft plötzlich ein Stück Weg miteinander.


Gemeinsam erreichten wir das Kloster Ziortza beziehungsweise Zenarruza. Dort holte ich mir einen Pilgerstempel, danach trennten sich unsere Wege wieder.



Schon am Morgen gab es unglaublich viel zu entdecken: Pflanzen, Blumen, Tiere, grüne Landschaften, Bauernhäuser und immer wieder kleine Details am Wegesrand.



Und noch etwas hat sich inzwischen bewährt: meine Velohandschuhe für die Wanderstöcke. Ebenso meine etwas ungewöhnliche Konstruktion mit vier Scotch-Schwämmen, die ich als zusätzliche Polsterung an Schultern und Beckenknochen verwende. Beides würde ich anderen Pilgerinnen und Pilgern inzwischen tatsächlich wärmstens empfehlen. 😊


Irgendwann dachte ich bereits, ich sei in Munitibar angekommen und machte bei der Kirche Pause. Ein Wegweiser belehrte mich etwas später eines Besseren: Noch ungefähr 400 Meter bis Arbatzegi/Munitibar.



Dort angekommen, gab es eine kurze WC-Pause, ein paar Fotos vom Dorfplatz und von der Kirche – und dann ging es schon wieder weiter.



Kurz danach kam ich an der kleinen Ermita de Santiago vorbei.


Und tatsächlich: Sie war offen!


Nach all den verschlossenen Kirchen der vergangenen Tage freute ich mich darüber besonders. Ich ging hinein und schaute mir den schlichten Innenraum mit Altar und Kreuz an.



Gerade in Zarautz und Zumaia hatte ich wieder vor verschlossenen Kirchentüren gestanden. Deshalb hatte ich Axel gefragt, ob er von seiner damaligen Pilgerreise vielleicht Innenaufnahmen dieser Kirchen besitzt, die ich für meinen Blog verwenden könnte.


Er machte mich auch darauf aufmerksam, dass viele Kirchen wertvolle historische Kunst- und Kulturgüter beherbergen und deshalb unter anderem aus Sicherheitsgründen nicht ständig geöffnet sind.


Umso schöner war es heute, ausgerechnet diese kleine Ermita de Santiago offen vorzufinden.


Weiter ging es durch eine wunderschöne und abwechslungsreiche Landschaft.



Heute fiel mir besonders auf, über wie viele unterschiedliche Untergründe so ein einziger Camino-Tag führen kann: Asphalt, Beton, Stein, Pflaster, Waldboden, Wurzeln, schmale Naturpfade und Holzstege.


Zwischendurch gab es sogar kleine Klettereinlagen. Umgestürzte Bäume und Äste lagen über dem Weg – also darübersteigen, darunter durch oder irgendwie daran vorbeischlängeln.



Auch meine Mittagspause bekam Gesellschaft. Eine schwarz-weisse Katze gesellte sich zu mir und sass schliesslich sogar auf meinem Schoss.



Ein wunderbar ruhiger kleiner Camino-Moment.


Dort holte ich mir auch einen weiteren Pilgerstempel.


Und für die Verpflegung sorgte heute zwischendurch sogar die Natur: Zweimal konnte ich frische Feigen direkt vom Baum essen.



Unterwegs kam ich an der kleinen weissen Ermita von Marmeta vorbei. Leider war auch sie verschlossen.



Später erreichte ich die historische Artzubi-Brücke. Die alte Steinbogenbrücke in ihrer grünen, moosigen Umgebung ist wieder eines dieser kleinen historischen Schmuckstücke, die plötzlich mitten am Camino auftauchen.



Auch die Iglesia de Santo Tomás Apóstol de Arratzu lag auf meinem Weg. Das alte Portal war eindrucksvoll – die Kirche selbst allerdings ebenfalls verschlossen.



Kurz danach leistete ich mir noch einen kleinen Umweg.


An einer Abzweigung folgte ich versehentlich der Camino-Variante für Radfahrer. Nach ungefähr 200 Metern bemerkte ich in meiner Buen-Camino-App, dass meine Position nicht mehr auf meiner eigentlichen Route lag.


Also zurück.


Kurz darauf entdeckte ich auch wieder den passenden Camino-Wegweiser. Ein anderer Pilger ging an der Abzweigung geradeaus weiter – ich vertraute meiner App und dem Wegweiser und war wieder auf meinem Camino.



Später kam ich an Marmiz vorbei und schliesslich nach Ajangiz. Dort fotografierte ich die Iglesia de la Ascensión – und ja, auch diese Kirche war geschlossen.



Gegen Ende der Etappe veränderte sich langsam das Wetter. Es zogen immer mehr Wolken auf, der Wind wurde stärker und der Himmel zunehmend dunkler.



Gleichzeitig meldete sich mein rechter Fuss wieder. Seit Zumaia spüre ich dort phasenweise einen stechenden Schmerz an der Innenseite. Noch geht es weiter, und natürlich hoffe ich sehr, dass mein Fuss auch in den kommenden Tagen mitmacht.


Gegen 16 Uhr erreichte ich schliesslich Gernika-Lumo.



Mein erster Halt galt dem Denkmal für George L. Steer, jenem britischen Journalisten, dessen Berichte über die Bombardierung von Gernika die Ereignisse international bekannt machten.



Danach ging es zur Casa de Juntas.


Hier sah ich den berühmten Baum von Gernika beziehungsweise den historischen Stamm und bekam einen weiteren Pilgerstempel.



An einer Infotafel entdeckte ich drei QR-Codes. Ich öffnete diese mit meinem Handy und konnte die Informationen sogar auf Deutsch hören. So konnte ich direkt vor Ort mehr über die Geschichte und Bedeutung dieses besonderen Ortes erfahren.



Die Museen liess ich bewusst aus – meine Beine hatten heute schliesslich schon einiges geleistet.


Ich ging einmal um die Iglesia de Santa María herum und fotografierte ihre eindrucksvolle Fassade und das Portal.



Auch sonst entdeckte ich in Gernika noch einiges: die Blumenuhr, schöne historische Gebäude und die Statue von José María Iparragirre mit seiner Gitarre.



Natürlich durfte auch das Wandbild von Picassos berühmtem „Guernica“ nicht fehlen.



Danach machte ich sogar noch einen Abstecher in den Parque de los Pueblos de Europa.


Dort sah ich unter anderem die Büsten von Wilhelm von Humboldt und Gerhard Bähr, eine kleine Holzbrücke und den Bach sowie die beiden Kunstwerke „Gure Aitaren Etxea“ von Eduardo Chillida und „Large Figure in a Shelter“ von Henry Moore.



Zum Abschluss führte mich meine Runde noch zum Teich.



Und genau dort im Park gab es eine weitere schöne Begegnung.


Auf der kleinen Brücke wollten drei Norwegerinnen ein Foto. Daraus entstand ein Gespräch und sie fragten mich, woher ich komme und was ich hier mache.


Ich erzählte ihnen etwas über meinen Weg und mein Projekt.


Danach scannten sie die Muschel an meinem Rucksack. Nun können sie über www.bewegen.blog nachlesen, was hinter meiner Reise steckt.


Als ich mit meiner Runde durch Gernika fertig war, zeigte meine Uhr 24 Kilometer.


Bis zur Unterkunft Albergue Gerekiz konnte ich nicht mehr weiter gehen, also ging ich zum Taxistand an der Geltoki Plaza.


Nur: Taxi war keines da.


Eine sinnvolle Busverbindung Richtung Gerekiz wäre erst viel später gefahren. Also begann wieder einmal die inzwischen fast schon vertraute Taxi-Organisation per WhatsApp.


Ein Fahrer schrieb mir, dass er selbst beschäftigt sei, allerdings schauen würde, ob ein Kollege frei sei. Zunächst bekam ich nur ein 👍 zurück. Also fragte ich nochmals nach, ob tatsächlich jemand komme und wie lange es ungefähr dauern würde.


Meine Unterkunft schickte mir zusätzlich eine zweite Taxinummer. Diese hatte allerdings kein WhatsApp – und auf Spanisch telefonieren gehört definitiv noch nicht zu meinen Camino-Superkräften. 😅


Während ich wartete, wurde der Himmel immer dunkler.


Und schliesslich kam mein Taxi.


Und der Fahrer war unglaublich aufmerksam. Er sprach zwar tatsächlich nur Spanisch, nahm mir allerdings sofort meinen Rucksack ab, öffnete mir die Tür und hielt mir sogar den Sicherheitsgurt hin.


Nach 24 Kilometern können solche kleinen Gesten plötzlich richtig guttun. 🤍


Bei der Ankunft zeigte das Taxameter 20,53 Euro. Ich gab ihm 25 Euro – für mich ein kleines Dankeschön für seine Fürsorge.


Dann war ich endlich bei der Albergue Gerekiz AMAGI angekommen.



Mein heutiges Nachtlager: ein Schlafsaal mit 16 Betten.


Und schon wieder wartete eine kleine Camino-Überraschung auf mich: Die beiden Spanier, die bereits gestern mit mir im Zimmer waren, schlafen heute tatsächlich wieder im gleichen Schlafsaal.


Manchmal kreuzen sich Wege eben mehr als einmal.


Von den fünf Sandwiches, die ich am Morgen vorbereitet hatte, hatte ich unterwegs übrigens gerade einmal zwei gegessen. Die restlichen drei hatten den ganzen warmen Tag in meinem Rucksack verbracht – und durften deshalb ihren Weg leider nicht mehr fortsetzen. 😅


Nach einer warmen Dusche, wartet jetzt noch das Abendessen auf mich.



Wir sassen zu neunt gemeinsam am Tisch: drei Italiener, ein Amerikaner aus Kalifornien mit seinem spanischen Freund, der inzwischen seit längerem der Liebe wegen ebenfalls in Kalifornien lebt, zwei Deutsche – eine davon lebt seit zehn Jahren in Växjö in Schweden –, eine Rumänin und ich.



Es wurde ein sehr interessanter und geselliger Abend mit vielen Gesprächen. Auch von meinem Projekt „Schritt für Schritt beWEGen“ konnte ich erzählen und meinen QR-Code weitergeben.


So wird es heute etwas später mit dem Schlafen als geplant. Jetzt aber wirklich: ab ins Bett.


24 Kilometer, eine Belgierin, eine Katze als Mittagsbegleitung, offene und verschlossene Kirchentüren, frische Feigen, eine historische Brücke, ein kleiner Irrweg, Gernika, drei Norwegerinnen und am Ende ein besonders aufmerksamer Taxifahrer.


Was für ein Tag.


Nicht Kilometer sammeln, sondern Erlebnisse.


Schritt für Schritt beWEGen. 🥾🤍

 
 
 

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