Pilgerbericht /Nasbinals - Saint-Chély-d'Aubrac
- Elsbeth Kirchhofer
- 3. Juni
- 2 Min. Lesezeit
03.06.2026
Heute startete ich in Nasbinals bei leichtem Nieselregen und 8 Grad. Die ersten Kilometer führten mich zur Siedlung Le Coustat und weiter nach Chambouliès.
Anschliessend ging es vorbei an der Sennenhütte Pascalet und der Hütte Ginestouse Bas. Die Landschaft des Aubrac zeigte sich heute von ihrer wilden und gleichzeitig friedlichen Seite. Immer wieder begegnete ich den typischen Aubrac-Rindern, die auf den weitläufigen Weiden grasten.
Der Weg führte weiter hinauf bis zum höchsten Punkt der heutigen Etappe auf 1368 Metern über Meer. Dort machte ich meine Mittagspause. Während ich etwas ass und die Aussicht genoss, verzogen sich langsam die Wolken. Von diesem Zeitpunkt an wechselte das Wetter von sonnig bis bewölkt, jedoch ohne weiteren Niederschlag.
Weiter ging es über Aubrac, vorbei am Holzkreuz, durch Belvezet und Vayassière bis nach Saint-Chély-d'Aubrac.
Am Ende standen knapp 18 Kilometer auf meiner Uhr, als ich die heutige Unterkunft, die Gîte Saint André, erreichte.
Was für ein Glücksgriff!
Die Unterkunft wird von Schweizern geführt und ich wurde unglaublich herzlich empfangen. Ich durfte meine Wäsche waschen und trocknen lassen, konnte mein Projekt vorstellen und mein Flyer hängt nun sogar an ihrer Pinwand. Besonders gefreut hat mich, dass mir zudem noch drei Flyer ins Französische übersetzt wurden.
So viel Hilfsbereitschaft ist alles andere als selbstverständlich.
Kurz vor dem Abendessen erhielt ich jedoch eine traurige Nachricht. Jemand, der mich und meine Kinder während 16 Jahren eng begleitet hat, ist verstorben.
Das hat mich sehr getroffen.
Entsprechend war mir eigentlich nicht nach einem gemeinsamen Abendessen mit rund 25 weiteren Pilgern zumute.
Doch in dieser Unterkunft gibt es eine besondere Tradition. Jeden Abend werden eine Königin, ein König, eine Prinzessin, ein Prinz und eine gute Fee bestimmt.
Und ausgerechnet ich wurde zur guten Fee gewählt.
Alle fünf mussten vor der ganzen Gruppe erzählen, wie sie heissen, woher sie kommen und welchen Wunsch sie haben. Anschliessend wurde gemeinsam darauf angestossen.
So stand ich plötzlich vor all diesen Menschen und sprach ein paar Worte.
Im Nachhinein bin ich froh darüber. Manchmal hilft es, trotz trauriger Gedanken nicht allein zu bleiben.
Das Abendessen war übrigens ausgezeichnet. Die Suppe, der Hauptgang und auch das Dessert waren hervorragend.
Später setzte ich mich noch in die gemütliche Wohnzimmerecke der Unterkunft und führte ein herzliches Gespräch mit dem König des Abends, der ebenfalls aus der Schweiz stammt.
So endete ein Tag voller Gegensätze.
Regen und Sonne.
Traurigkeit und Dankbarkeit.
Abschied und Begegnungen.
Der Jakobsweg schreibt manchmal Geschichten, die ich selbst nicht hätte planen können. 🤍
































































































































































































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